Das Vodafone Dilemma
14. Juli 2009
Ich habe erst mit einigen Tagen Verspätung Zeit gefunden, einen kurzen Blick auf die Debatte rund um die Vodafone Markenkampagne zu werfen.
Johannes Kleske bringt das ganze Dilemma mit seiner fiktiven Vodafone Presseerklärung perfekt auf den Punkt.
Das Problem liegt nämlich überhaupt nicht in der Ausgestaltung von Kampagnen oder Pressekonferenzen. Sondern in der Tatsache, dass die Realität in den meisten Großunternehmen nicht die Bohne mit dem zu tun hat, was man gemeinhin “Marketing 2.0″ oder “konsequente Kundenorientierung” nennt.
Tatsächlich sind die meisten Großunternehmen nicht Kunden- sondern vielmehr konsequent Profitorientiert. Kundenunzufriedenheit bedingt durch schlimmstenfalls bewusste Irreführung (sprich: Abzocke) wird in Kauf genommen, solange das Gesamtmodell sich unter dem Strich auszahlt. Und das ist jetzt nichtmal polemisch gemeint sondern schlichte Realität.
Welches Unternehmen will schon wirklich seine Kunden glücklich und die Welt ein Stück besser machen? Kundenzufriedenheit ist bestenfalls Mittel zum Zweck, nur selten Selbstzweck. Die allermeisten wollen schlichtweg Geld verdienen, wogegen absolut nichts einzuwenden wäre, solange ein Kompromiss zwischen Profit und Kundenzfriedenheit gefunden werden kann. Genau das ist aber oft nicht der Fall.
“1.0 Realität” und “2.0 Ansprüche” klaffen noch meilenweit auseinander. Diese grundsätzlichen Diskrepanzen können durch Marketing nicht gelöst werden sondern kommen durch Aktionen wie die von Vodafone überhaupt erst richtig zum Vorschein.
Bis sich hier Substantielles ändert, wird noch einige Zeit verstreichen müssen. Aber immerhin: Solange die Platzhirschen weiterhin den alten Kurs fahren, entsteht immer wieder Raum für Vorstöße neuer Herausforderer, die die alten Bastionen Stück für Stück ankratzen.
Es kann also nur besser werden




2 Kommentare zu “Das Vodafone Dilemma”
01
Genau wegen dem Inhalt dieses Posts nutze ich schon seit Jahren kein Vodafone mehr. Gibt besseres, denke ich!
02
“Es kann also nur besser werden”…na,wer’s glaubt wird selig…
Solange in unserer schönen neuen “globalisierten” Wirtschaftsordnung immer mehr quasi-Monopole bzw. Oligopole das Geschehen bestimmen,die keine Konkurrenz befürchten müssen,sondern im Zweifel auch noch die Preise absprechen,bevor sie an der Preisschraube drehen,wird überhaupt nichts besser werden.
Wie sagte es der neue Chef der Berliner S-Bahn so treffend: “Ich bin nicht für die Mobilität der Berliner zuständig…”,genau,sondern nur für den maximalen Profit des DB-Konzerns.
Der Kunde ist zum Störfaktor und lästigen Bittsteller geworden,in einer Wirtschaft,in der das Geld an der Börse verdient wird und Herstellung und Vertrieb von Waren und Dienstleistungen zu einem notwendigen Übel verkommen sind.
In Bezug auf Vodafone&Co gibt es allerdings ein einfaches Mittel den arroganten Herrschaften in den Vorstandetagen wieder Respekt vor dem Kunden beizubringen: einfach weniger telefonieren und dazu eine Prepaid-Karte vom Billiganbieter benutzen…mal sehen was passiert…
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