Die Kunst, einfache Lösungen zu verkaufen
16. Februar 2008

Google Blogoscoped hat einen interessanten Artikel über ein grundlegendes Problem bei Präsentationen von Online-Agenturen:
heisst er, und dieses Paradoxon lautet folgendermaßen:
Der Erfolg einer Präsenation ist umgekehrt proportional zum Erfolg der Lösung, die präsentiert wird.
In anderen Worten und stark verkürzt lautet die Aussage des Artikels:
Einfache, effektive und dadurch erfolgreiche Lösungen lassen sich in Präsentationen schwer verkaufen, weil sie unsexy sind. Aufwändige, funky Lösungen sind zwar in der Praxis selten erfolgreich, lassen sich aber prima präsentieren, da sich eine tolle Story darum stricken lässt.
Das ist eine interessante Hypothese, an der sicher einiges dran ist. Spontan fällt mir dazu ein, dass das Paradoxon wahrscheinlich noch viel mehr für sogenannte Kreativ-Awards (wie die Cannes Cyberlions u.a.) gilt, bei denen auch meistens spacige aber unbenutzbare Websites gewinnen.
Zum Glück gibt es aber auch einige (viele?) Kunden, die selbst webaffin genug sind, um sich nicht von allzu abgefahrenen Anwendungen beeindrucken zu lassen und die den Wert und den Erfolg der Einfachheit zu schätzen wissen.
Aber es stimmt schon: Nicht nur als Agentur, sondern als Entwickler generell (also gerade auch Start-Ups etc.) neigt man gerne dazu, zu selbstverliebt zu sein und dadurch zu komplizierte aber manchmal wenig erfolgreiche Lösungen zu entwickeln. In den Kommentaren zum Beitrag wird auch zurecht darauf hingewiesen, dass dieses Paradoxon nicht nur für Websites, sondern für User Interfaces aller Art gilt.
Das hat aber nicht zuletzt auch mit der Agenturkultur zu tun. Einige neigen eher dazu, ihre Kunden mit Eyecandy zu beeindrucken. Andere trauen sich auch mal, zu einer einfachen, unspektakulären Lösung zu stehen, sofern sie an deren Erfolg glauben. Mit letzterer Einstellung ist es vielleicht manchmal schwieriger, Neukunden zu beeindrucken. Auf Dauer aber werden es einem die Kunden danken.




Kommentar schreiben