Im Ning Fieber
24. Juli 2007
Die große Facebook Euphorie hält in Netzkreisen weiter unvermittelt an. Ich finde das Thema auch durchaus faszinierend, wenngleich ich der Meinung bin, dass teilweise die Akzente falsch gesetzt werden: Das Öffnen von Facebook für Fremdapplikationen ist nicht per se revolutionär. Neu ist vielmehr, dass eine großes Social Network diesen Schritt macht. Bei Web-Desktops wie Netvibes gibt es nämlich das vielzitierte Eco-System der Fremdapplikationen schon länger.
Die Frage, ob Facebook dann mit Xing und anderen Social Networks konkurriert, interessiert mich daher weniger. Viel spannender ist, wer das Microsoft des Webs wird, also wer die One-Stop Einstiegsapplikation im Browser bietet, auf der alle anderen Anwendungen benutzt werden können. Da sind reine Networks wie Xing überhaupt keine Kandidaten. Vielmehr konkurriert Facebook direkt mit Netvibes oder vergleichbaren Webtops, sobald bessere Widgets eine komfortable Nutzung von Social Networking Communities direkt auf dem Webtop ermöglichen. Mit Einschränkungen funktioniert das ja auch schon.
Was mich zur Zeit aber wesentlich mehr fasziniert, ist Ning, die Firma der Netscape Legende Marc Andreessen. Ning verfolgt einen ganz anderen Ansatz und bietet eine ASP-Lösung für Social Networking Communities. Jeder kann hier sein eigenes Social Network gründen und customizen. Meine Begeisterung dafür hielt sich anfänglich in Grenzen. Das lag jedoch daran, dass ich die Möglichkeiten im Customizing unterschätzt habe.
Ein gutes Beispiel für ein professionelles Netzwerk auf Ning Basis ist Rawkus:
Hier wird dann schnell klar, das die Möglichkeiten durchaus für anspruchsvolle Zwecke ausreichen. Profi-Features, wie beispielsweise eine eigene Domain, kosten Geld. Mit ein paar Abstrichen geht es aber auch kostenlos.
Auf Ning laufen bereits 75.000 größere und kleinere Social Networks. Wer einmal einen Ning Account hat, kann per Single Sign-On auf beliebig viele Networks zugreifen. Ning baut hier also eine separate Insel Lösung - allerdings eine sehr mächtige. Schnittstellen zu Flickr und zu Facebook sind jedoch direkt on Board. Und auch sonst gibt es alle gängigen Features, die vom Network Creator nach eigenen Wünschen konfiguriert werden können.
Die Folgen liegen auf der Hand: Wir haben es hier mit einem neuen Level der Demokratisierung zu tun. Nicht mehr nur die Hoheit über die Inhalte ist nun geknackt, sondern auch Betreibermonopole für Plattformen sind aufgehoben. Wer lustig ist, kann direkt anfangen, mit größeren Anbietern in Konkurrenz zu treten - oder natürlich die kleinen Nischen bewirtschaften, sei es nun thematisch oder regional. Das Pendant zu Me-Commerce, wenn man so will.
Ich habe übrigens auch eine kleine Community gestartet - allerdings aus verschiedenen Gründen privat, also nur mit Einladung zugänglich. Wer rein kommen und sich mal umschauen möchte, kann das aber gerne tun: Bitte hier anmelden, die Einladung kommt dann zügig.





2 Kommentare zu “Im Ning Fieber”
01
Vielen Dank, dass Dus ansprichst! Das war der Aspekt, den ich nicht mehr untergebracht habe. Nicht nur Ning selber ist faszinierend, sondern vor allem auch deren Facebook-Strategie.
02
Heho.Finde Klasse Artikel, danke für den Tip. Den “Laden” kannt ich noch nicht. Gleich mal testen. Schnittstellen werden in solchen Networks (auch dank Facebook) immer wichtiger;Umso schöner das sie hier schon implementiert wurden.
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