Bedenkenträger auf der Suche nach Geschäftsmodellen

20. November 2006

Ja, dieses Interview der Technology Review mit Lukasz Gadowski, Gründer des Online-T-Shirt-Versandes Spreadshirt, ist wirklich äusserst aufschlussreich. Warum? Weil es durch die Fragen des Interviewers wieder mal herrlich illustriert, wie das Bedenkenträgertum so tickt: Statt sich mit neuen, spannenden und erfolgreichen Ideen zu beschäftigen, wird lieber darüber nachgedacht, was alles nicht funktioniert.

Viele sogenannte Experten sind geistig total im New Economy Crash hängen geblieben. Dass nicht alle Internet Start-Ups scheitern, nur weil früher eine ganze Reihe gescheitert sind, wollen manche einfach nicht wahrhaben. Auch dass aus der Web 1.0 Ära u.a. Player wie Google, Amazon und eBay mehr als nur überlebt haben, wird gerne vergessen.

Besonders nervig ist mittlerweile die ständige superschlaue Frage nach “dem Geschäftsmodell”. Damit konnte man sich vielleicht noch vor sechs Jahren als kritischer Geist hervortun. Heutzutage outet man sich mit dieser Frage nur noch als Neunmalkluger Besserwisser.

Was soll die Frage eigentlich ständig? Wer fragt denn bei einer neuen Zeitschrift oder bei einer TV-Station nach dem Geschäftsmodell? Warum müssen Internet-Gründer ständig neue, bahnbrechende Geschäftsmodelle erfinden? Die Standard-Modelle sind nunmal in aller Regel Werbefinanzierung, Nutzergebühren, Transaktionsprovisionen und B2B-Erlöse durch Webservices. Basta.

Im Interview wird aber noch einer draufgesetzt. Da gelten Jungunternehmer dann gar als unsozial, falls nach einem Flop Leute entlassen werden müssen. Ja, People? Werdet Ihr bei Heise von Firmen wie BenQ bezahlt oder was?

Erschreckend. Zum Glück gibt’s Leute wie Gadowski. Sonst könnten wir die Wirtschaft bald ganz dicht machen.

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Ein Kommentar zu “Bedenkenträger auf der Suche nach Geschäftsmodellen”

  1. 01

    mag fragt bei einer Zeitung nicht nach dem Businessmodell. Wohl aber nach der speziellen Ausbildung des Businessmodells (Auflage? Zielgruppe? Vertriebsmodell? Wer schaltet Anzeigen und warum?)

    Und diese Frage muss sich auch ein noch so innovativer Jungunternehmer 2.0 gefallen lassen (”Wer gibt bei Dir warum Geld aus?”). Sonst wird ganz schnell Hartz 4.0 draus.

    Was mich übrigens immer schon mal interessiert hat: Warum ist eigentlich der Begriff “Besserwisser” nur in Deutschland ein Schimpfwort?

    Joachim Graf am 21. November 2006 um 11:12
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