Stefan Kellner (Plazes AG) über Locaction-Based Services
Das Thema "Location-Based Services", also digitale Dienste und Services, die auf der geografischen Ortung der Nutzer aufbauen, hat lange Zeit ein Schattendasein geführt. Es gab zwar immer wieder erste zaghafte Versuche in dieser Richtung, doch der große Durchbruch blieb bislang, zumindest in Deutschland, aus. Dies ist insofern verwunderlich, als sich diverse faszinierende Einsatzmöglichkeiten für diese Technologie denken lassen.

Mit dem Start von plazes.com schickte sich vor zwei Jahren ein deutsches Start-Up Unternehmen an, diesen Markt aufzurollen. Mittlerweile genießt Plazes eine beachtliche PR und wird immer wieder als deutsches Vorzeige Start-Up in Sachen Web 2.0 gehandelt.
Die geografische Ortung und darauf aufbauende Dienste funktionieren bei Plazes bislang allerdings lediglich über LAN und WLAN. Bislang. Denn die Ausweitung von Plazes auf mobile Endgeräte ist bereits in der Testphase.
Ich wollte kürzlich von Plazes Gründer Stefan Kellner wissen, wo er die Ursachen für die bis dato eher schleppende Entwicklung des LBS-Marktes sieht und wie er die künftige Entwicklung einschätzt.
Hier seine Einschätzung in einem Gastbeitrag für public.beta:
Stefan Kellner schreibt:
"2000 wurde ein Hype für 2003 vorausgesagt, ab 2004 hat man davon
praktisch nichts mehr gehört. Die Konzepte damals waren sehr
verschieden von dem, was wir bei Plazes heute machen. Es ging um die
Ortung von Usern über die Carrier, Beispielsweise um den Nutzern
SMS-Werbung zu schicken, wenn sie sich in der Nähe eine Shops befinden
oder um ortsbezogene Preisvergleiche.
Diese Konzepte wurden nicht erfolgreich realisiert, weil die
Ortungstechnologien nicht verfügbar waren und auch heute im Prinzip
noch nicht verfügbar sind. Momentan gibt es nur zwei Technologien:
GPS, das wenig verbreitet ist und in vielen Fällen nicht funktioniert
(z.B. in geschlossenen Räumen) und die Ortung über die
Mobilfunkprovider. Die Ortung über die Mobilefunkprovider ist sehr
teuer und jeder Provider betriebt sein eigenes System. Die Kosten für
die Ortung müssen finanziert werden und daran sind vermutlich die
meisten Businessmodelle gescheitert.
Einen anderer Grund für die schleppende Entwicklung ist die
Sensibilität der Nutzer, was ortsbasierte Dienste angeht. Die Nutzer
wollen die Kontrolle über Ihre Bewegungsdaten behalten und geben Ihr
Mißtrauen nur auf, wenn dem ein realer Nutzen gegenübersteht. Diese
Szenarien kristallisieren sich jetzt so langsam heraus.
So war auch das wichtigste Hindernis die mangelhaften Konzepte für
LBS. Niemand will ein SMS-Ad für Kurzwaren haben, nur weil er sich in
der Nähe eines Kurzwarenladens befindet, kein Händler hat ein
Interesse daran, dass seine Kunden in der Fußgängerzone die Preise im
Umkreis von 5 km vergleichen. LBS gewinnen erst durch die Verknüpfung
mit Social Networks, dem Web und Zugangstechnologien wie WiFi und UMTS an Wert für die Nutzer. Und dafür war vor 5 Jahren die Zeit einfach
noch nicht reif.
Ich glaube, dass sich location based services in den nächsten Jahren
auf breiter Front etablieren werden. Die Google-Maps-Mania und lokalen
Suchen bei Google und Yahoo sind ein Vorgeschmack darauf. Zudem
breitet sich der Markt für Navigationssysteme rasant in richtung
Mobiltelefon aus, GPS wird daher bald zur Standardaustattung eines
Mobiltelefons, mehr als es die Kamera heute ist. Von der Möglichkeit,
das Mobiltelefon als portablen Web-Browser zu nutzen, ganz zu
schweigen. Die Nutzer verstehen das Web und sind offen für eine neue
Dimension im Internet: die reale Welt."
[Zitat Ende]
Diese Einschätzung kann ich nur unterstützen. Auch ich glaube, "always-on" und "always-localized" sein wird im Web 3.0 völlig selbstverständlich werden. Dazu muss allerdings das katastrophale Tarikkartell, dass die Mobile-Provider mit ihren Onlinetarifen momentan noch pflegen, erstmal bröckeln.
www.plazes.com


2 Comments:
Ich sehe das nicht so. Und wer sich irgendwann in letzter Zeit die Mühe gemacht hat einen Volkshochschulkurs zum Thema Internet zu besuchen muss mir beipflichten. Wir sind noh weit entfernt davon das Internet als das zu verwenden, wofür es wirklich nutzbar ist. Jedenfalls in der Masse der Nutzer. In Deutschland sind derzeit ca. 20 Millionen Menschen "online". Nehmen wir mal an das 500.000 Leute davon auch nur eine grobe Ahnung haben was Web 2.0 im Ansatz bedeutet, und diese Zahl ist sehr sehr hoch gegriffen, stellt sich die Frage: Was machen eigentlich die anderen 19.5 Millionen? Surfen die auf Spiegel.de und Bild.de, kaufen die bei Amazon oder eBay ein? Ja! Oftmals nicht mehr und nicht weniger.
Das die Netz-Avantgarde Web 2.0 nutzt heisst noch lange nicht, dass sich dieses Prinzip durchsetzen wird. Relative Nutzerzahlen selbst für flickr und del.icio.us oder gmail (was auch immer) bestätigen dies.
Worauf will ich eigentlich hinaus? Location based Services und Web 2.0 als ganzes bieten große Chancen für wirkliche Ideen. Nur diese Ideen muss man in einem kurzen Satz erklären können. Warum nutzt mir flickr, was ist für MICH das revolutionäre daran? Das ich Fotos nicht mehr ausdrucken muss, um sie meinen Freunden zu zeigen, ist nebensächlich.
Nach wie vor ist vieles was unter dem Label Web 2.0 publiziert wird vor allem eins: Cooles Spielzeug für die Geeks - die Early Adopter. Aber um den Leuten nachhaltig das Geld aus der Tasche zu ziehen, wozu jeder bereit ist, bedarf es einer wirklichen Idee die mein tägliches Leben einfacher macht. "Heute angeklickt, morgen in meinem Briefkasten" ist so eine Idee. Wann kommt die nächste?
ich verstehe deinen punkt, aber nicht wirklich, was der jetzt mit diesem post zu tun hat ?!
willst du darauf hinaus, dass plazes oder LBS zu abgehoben sind?
ich finde, zu sehen, wo sich seine freunde gerade in der nähe aufhalten, ist im prinzip ein sehr einleuchtender und einfacher USP. den kann ich problemlos meiner mama erklären.
und wenn man die nutzerzahlen von msyspace oder YouTube sieht, gerade bei den jungen, ist dein argument nicht haltbar. die benutzen das zeug schon in massen. dazu ist es überhaupt nicht notwendig, die dahinterliegenden konzepte zu verstehen.
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