eCommerce 2.0: Die heimliche Koalition der Blockierer
Michael Jung vom e-Commerce Blog hat es in seiner OMD Nachlese schön auf den Punkt gebracht:
"Web 2.0 - Eigentlich kein Thema auf der OMD. Ich habe von Vertretern der Unternehmen Douglas, Westfalia, Neckermann, Karstadt.de im Gespräch gehört, dass das für diese Unternehmen nicht von der Relevanz ist wie es zur Zeit im Markt gepusht wird. Sie beobachten es aber und werden bei Bedarf handeln. Den sehen sie aber durch die Bank nicht, weil sie gerade dabei sind, ihre Prozesse in den Griff zu bekommen und die Kosten zu senken. Das bringt denen mehr als das Web 2.0"
Exciting Commerce Guru Jochen Krisch nennt das eine gute Nachricht - und zwar für die Innvovatoren im e-Commerce, seien es Amazon und eBay oder die kleinen Angreifer wie Spreadshirt & Co.
Ich kenne die Einstellung der großen Multichannel-Anbieter. "Was bringt uns das?" fragt man da, wenn es um neue Ansätze des Verkaufens oder der Kundenbindung geht oder auch gerne: "Macht XY nicht - dann machen wir das auch nicht". Man wiegt sich also in Sicherheit. Die Frage ist nur: Wie lange noch?
Die großen, etablierten Handelsunternehmen haben in den letzten Jahren vom gingantischen Wachstum des e-Commerce Marktes insgesamt profitiert. Da ist man einfach verwöhnt. Wie von Zauberhand konnten die Online-Verantwortlichen Jahr für Jahr tolles Wachstum vorzeigen. Dass dieses Wachstum zum Teil auch auf Kannibalisierung des stationären Handels beruhte, brauchte da nicht weiter zu kümmern.
In absehbarer Zeit wird aber eine Sättigungsgrenze im e-Commerce Markt erreicht sein - und dann wird es spannend. Dann wächst von selbst gar nichts mehr weiter. Und dann entbrennt der harte Konkurrenzkampf um Marktanteile.
Irgendwann wird dann auch einer der Etablierten Dinosaurier in Richtung Web 2.0 vorpreschen. Ganz abgesehen von den Innovatoren, die natürlich weiter angreifen. Und spätestens dann wird das Wettrennen um bessere Konzepte losgehen. Ein simples " Kaufen! - und ansonsten keine lästigen Fragen stellen!" wird dann nicht mehr ausreichen. Zumal die Konsumenten ihren Anspruch auf Transparenz und Teilhabe immer weiter ausdehnen werden.
Auch die Großen wären also gut damit beraten, sich jetzt schonmal mit einer Weiterentwicklung ihrer Konzepte zu beschäftigen (teilweise tun sie das ja auch schon, wie Otto zum Beispiel. Hier hat man unter anderem schon Produktbewertungen eingeführt, die viele Wettbewerber noch fürchten wie der Teufel das Weihwasser).
Wer den Anschluss verpasst und zu lange zögert, dem kann es so ähnlich ergehen wie der Musikindustrie vor zwei Jahren. Denn auch im Internet selbst kann man noch rechts überholt werden. Online-Shops, in denen man einfach nur kaufen kann, haben für mich jedenfalls keine große Zukunft. Hier wird momentan noch massenhaft Potential verschenkt.


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